Ökologische Entwicklungen, sind wir bereit dafür?

Stand vom 6. Januar 2017

Zunächst erst mal wünsche ich allen Lesern hier ein friedvolles und für alle gutes Jahr 2017. Die letzten Wochen des vergangenen Jahres haben gezeigt, dass dies nicht mehr selbstverständlich ist. Vieles liegt dabei in unserer Hand. Frieden mit unseren Mitmenschen können wir selbst schaffen wie auch Frieden mit den nichtmenschlichen Wesen in unserer Region. Ökologie ist die Wissenschaft des Zusammenlebens von Pflanzen, Tiere und Menschen. Dabei haben wir es in der Hand, wie wir mit den Tieren und Pflanzen zusammenleben wollen und wie groß der gegenseitige Nutzen dabei wird. 

Es gibt einige bemerkenswerte Entwicklungen auf diesem Gebiet. Zunächst die von uns Menschen verursachten Entwicklungen der letzten Monate. 

Mit der Nachfrage nach Bauland nimmt der Druck auf unsere Biotope und die Zahl der Baumfällungen auch während der Brutzeit zu. In bestimmten und bei uns recht häufigen Fällen gibt es dazu entsprechende Ausnahmegenehmigungen. Die Abschaffung der Baumschutzsatzung auf Grundstücken mit bis zu zwei Wohneinheiten hat den Eigentümern die gewünschte Freiheit gebracht und gleichzeitig die Dezimierung des Baumbestandes beschleunigt. Eine Rückkehr zur restriktiven Baumschutzsatzung würde zwar inzwischen von mehr besorgten Einwohnern begrüßt werden, bekäme aber zurzeit noch keine mehrheitliche Akzeptanz in der Einwohnerschaft. Abgesehen davon hätten wir die ganzen bis 2015 mit der Baumschutzsatzung und deren Umsetzung verbundenen Probleme wieder unverändert und ohne Lösung. Wir sollten daher weiter nach alternativen Ideen zur langfristigen Entwicklung unseres Baumbestandes suchen. Dazu laden wir alle daran Interessierten ein. Wir als NABU-Gruppe sind für Ideen offen. 

Ein immer wieder diskutiertes Problem sind die Wildschweine im Siedlungsbereich. Seit dem Herbst sehen wir vielerorts wieder umgepflügtes Straßenbegleitgrün. In Fredersdorf-Vogelsdorf gab es im November eine Vergrämungs- und Abschussaktion, die mit ganzen 3 Abschüssen wie von mir erwartet, praktisch erfolglos blieb. Solche Aktionen bekämpfen nur die Auswirkungen langer Entwicklungen, beseitigen aber nicht deren Ursachen. Und auch die Jagd hat sich verändert. In meinen ersten Jahren als Naturschützer Anfang der 1980er Jahre lernte ich von vielen Jägern, die gleichzeitig Naturschützer waren. Jede verschossene Kugel musste dokumentiert werden. Neben der auch heute notwendigen Jagdprüfung musste jeder Jäger den Tierbestand in seinem Revier zumindest grob kennen. Es wurden gezielt schwächere Tiere geschossen, damit die Rotten insgesamt gesund blieben. So als wenn die schwächsten Tiere von Wölfen gerissen wurden. Die Familienverbände blieben intakt und es gab keine größeren Vermehrungen. Heute gibt es immer mehr Hobbyjäger, die Trophäen schießen, oft die Leitbachen und die damit Familienstrukturen zerstören, ohne die Wildbestände überhaupt zu kennen. In der Folge werden alle Jungbachen vor der Zeit gedeckt, damit sie neue Familien aufbauen, die Bestände explodieren regelrecht. 

Seit Jahren sagen viele Menschen, wo die Wildschweine nicht erwünscht sind, aber niemand sagt, wo sie leben können. Monokulturen wie Mais haben auch bei uns zugenommen und locken viele Tiere an und fördern deren Vermehrung. Der Schaden kann natürlich nicht toleriert werden und so werden die Tiere geschossen und aus den Feldern vertrieben. Wälder werden intensiver bewirtschaftet als noch vor 30 Jahren, bis an die Ränder. Waldränder waren früher tabu für die Forstwirtschaft und Lebensraum für das Wild und viele Kleintiere. Heute werden die Wälder bis an die Ränder frei von Unterholz gehalten. Die Tiere verziehen sich also in die Tiefe der Wälder und fressen dort die jungen Laubbäume an. Nach dem Grundsatz "Wald vor Wild" werden sie von der Jägerschaft auch aus den Wäldern vertrieben. Ihnen bleiben also nur noch die Siedlungen, wo sie nicht geschossen werden dürfen. Neben und hinter einigen Gärten entsorgte Gartenabfälle locken noch zusätzlich Wildschweine an. 

Wie könnte ein besseres Zusammenleben von Menschen mit Wildtieren aussehen: 

Wir brauchen eine ökologische Forstwirtschaft mit leistungsfähigen Wäldern, von denen genug Futter für das Wild und gleichzeitig eine reiche Holzernte abfällt. Und auch die Landwirtschaft muss wieder artenreicher werden. Dies sind langfristige Projekte, aber wir können schon jetzt einiges tun: 

Gartenabfälle und Biomüll dürfen konsequent nur über die braunen Säcke des Entsorgungsbetriebes MOL entsorgt werden oder über dafür bereit stehende Kompostierbetriebe. Die Entsorgung in der Natur ist verboten und steht zu recht unter hohen Strafen. Für wildschweinsichere Zäune, sofern sie notwendig sind, ist jeder Grundstücksbesitzer selbst zuständig. 

An natürlichen Feinden gibt es im Land Brandenburg ausschließlich die umstrittenen eingewanderten Wölfe. So große Tiere wie Wildschweine jagen sie ausschließlich im Rudel. Sie könnten selbst im Siedlungsgebiet die Dezimierung der Wildschweinbestände übernehmen, wo Jäger nicht schießen dürfen. Aber sind wir Menschen für diese Art Hilfe bereit? Ich glaube, dazu müssten wir uns erst mit den Wölfen vertraut machen, wie sie leben und wie gefährlich sie tatsächlich für uns sind. In Rathenow gab es vor kurzem so einen jungen Kundschafterwolf. Er war nicht sonderlich hungrig und wollte testen, wie die Menschen auf ihn reagieren. Die Angst  siegte und selbst unsere NABU-Geschäftsführerin im Landesverband gab ihre Zustimmung zur Tötung des Wolfes, was ich sehr schade fand. Denn man hätte sich erst mal ansehen sollen, warum er überhaupt im Stadtgebiet aufgetaucht war. Inzwischen ist er wieder im Wald, er hat es auch gemerkt, dass die Einwohner noch nicht für sein Hilfsangebot bereit waren. Werden wir es sein, wenn bei uns der erste Wolf auftaucht? 

Im Naturschutzgebiet richten die Wildschweine keine Schäden an. Dort könnten sie unbehelligt leben. Wenn man sie dort lassen würde, dann würden sie weniger Schäden im Siedlungsgebiet anrichten. Deshalb rege ich eine Diskussion über ein Jagdverbot im Naturschutzgebiet an, und zwar konkret beiderseits des Fredersdorfer Mühlenfließes von Bruchmühle an im Norden bis zur B1 im Süden.

Andreas Hinz

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