2. Stellungnahme zum Entwurf des Bebauungsplans
"Alte Gärtnerei / Hasenweg" &
zur 3. Änderung des Flächennutzungsplans

 

NABU Petershagen/Eggersdorf e. V.
Andreas Hinz (Vorsitzender)
Wagnerstraße 24
15345 Eggersdorf

Gemeinde Petershagen/Eggersdorf
Am Markt 8
15345 Eggersdorf

27.08.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach unserer ersten Stellungnahme zum Vorentwurf des Bebaungsplans "Alte Gärtnerei / Hasenweg" und zur 3. Änderung des Flächennutzungsplans vom 26. März 2020 konnten wir
die Zeit für Bestandserfassungen in der Tier- und Pflanzenwelt im Plangebiet und seiner Umgebung nutzen. Auf dieser Grundlage geben wir Ihnen ergänzend zu unserer 1.
Stellungnahme weitere Hinweise.


Wir konnten im Plangebiet folgende Tierarten beobachten:

Insekten

Hornisse
Heuschreckensandwespe

Reptilien

Waldeidechse

Vögel

Bluthänfling
Schwarzkehlchen
Blaumeise
Kohlmeise
Neuntöter mit Jungvögel
Turmfalke
Mauersegler, mindestens 4 Nester
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Star
Elster
Nebelkrähe
Ringeltaube
Grünfink
Grünspecht
Hausrotschwanz
Goldammer
Dorngrasmücke
Weidenmeise
Stieglitz
Nachtigall
Mönchsgrasmücke

Stockente
Fasan
Schafstelze

Säugetiere

Reh (in der näheren Umgebung)
Fledermäuse, aufgenommen mit Bat-Detektor am 12. und 13.8.2020:
€   Zwergfledermaus
   Mückenfledermaus

€ƒ   Rauhhautfledermaus
€„   Großer Abendsegler
€…   Kleiner Abendsegler
€†   Breitflügelfledermaus
€‡   Wasserfledermaus

Außerdem sind die Vorkommen von Amphibien, Reptilien, Stechimmen und Heuschrecken zu kartieren. Bei allen Klassen sind auf Grund des vielfältigen Nahrungsangebots bedrohte und streng geschützte Arten zu erwarten. Der Artenschutzbeitrag muss deshalb mit diesen Arten ergänzt werden. Insbesondere muss die Zahl der im Plangebiet lebenden Zauneidechsen ermittelt werden. Bei 24 Sichtungen muss mit mindestens der fünffachen Zahl gerechnet werden, also mit 120 Zauneidechsen, die im Plangebiet leben. Außerhalb des Plangebiets auf dem Acker  können keine Zauneidechsen leben. Der Artenschutz besagt, dass sich der Erhaltungszustand einer Population nicht verschlechtern darf. Da es um das Plangebiet keine Lebensräume für Zauneidechsen gibt, muss der Bebauungsplan sicher stellen, dass die 120 Zauneidechsen auch nach der Bebauung im Plangebiet weiter leben können und muss Aussagen treffen, wo dieser Lebensraum sein soll und ihn entsprechend durch Grundbucheintrag sichern.

Pflanzen

Auf der trockenen Wiese im Plangebiet (östlich der Alten Gärtnerei) sind Elemente vonTrockenrasenbiotopen vorhanden:

Festuca brevipila,
Helichrysum arenarium.

Unter Umständen sind Teile der Wiese geschützte Trockenrasen. Dies muss überprüft werden, was bedeutet, dass in der weiteren Planung eine floristische Kartierung
notwendig wird.

Die im Plangebiet liegenden und angrenzenden Äcker zeichnen sich durch eine hohe Vielfalt an Ackerwildkräutern aus, sie sind als "Extensiv genutzte Äcker" (Biotoptyp 09125) einzustufen. Bei Begehungen Anfang August 2020 wurden zahlreiche lebensraumtypische Pflanzenarten, z.B.

Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis)
Ackerfrauenmantel (Aphanes arvensis)
Russische Kamille (Anthemis ruthenica)
Echte Kamille (Matricaria chamomilla)
Acker-Spergel (Spergula arvensis)
Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas)
Acker-Schöterich (Erysimum cheiranthoides)

und Kornblume (Centaurea cyanus), in großen Beständen
sowie mit wenigen Exemplaren die Rote-Liste-Arten
Kornrade (Agrostemma githago, Gef. 1)
und Rauer Hahnenfuß (Ranunculus sardous, Gef. V) nachgewiesen.

Bei Bedarf kann eine Artenliste der floristischen Funde zur Verfügung gestellt werden. Unabhängig davon empfehlen wir eine vollständige floristische Kartierung des Gebietes.

Eine gründliche Biotopkartierung von Flora und Fauna ist im Rahmen des Artenschutzbeitrages deshalb unerlässlich.

Die Ruinen der ehemaligen LPG-Gärtnerei haben sich zu einem Rückzugsbiotop mit einer hohen Artenvielfalt entwickelt. Die Einhaltung der Naturschutz- und Artenschutzvorschriften
ist hier das Minimum der ökologischen Anforderungen an den B-Plan. Das Gelände wird als Treff- und Begegnungsort von Menschen mit vielen wild lebenden Tieren von den Einwohnern als wertvoll geschätzt. Deshalb sollte es Ziel des Bebauungsplans sein:

  • ˆDie Altlasten an Müll und Schadstoffe zu beseitigen,€‰
  • die darauf folgende Wohnbebauung so zu gestalten, dass möglichst keins der im Plangebiet lebenden Tiere seinen Lebensraum verliert.

Diese beiden genannten Ziele können leicht erreicht werden, indem von der Landsberger Straße aus nur in 1. und 2. Reihe gebaut wird. Die bisherige Planung von 5 Reihen südwestlich an der Landsberger Straße würde den Verlust der Lebensräume für die meisten Tierarten bedeuten und wird deshalb vom NABU abgelehnt.
Der Bereich dahinter zum Feld hin, der unbebaut bleibt, muss für das 2. Ziel deutlich größer werden als im Vorentwurf vorgesehen. In diesem Bereich wachsen trotz der Trockenheit
bereits jetzt Hundsrosen, Weißdorn und Hecken der Zweifarbigen Brombeere. Vor allem letztere bieten den Tieren einen ausgezeichneten Schutz und sollten ungehindert wachsen
können, zumal sie damit Windschutz und Schutz vor Bodenaustrocknungen geben.

Eine Begrenzung auf zwei Reihen südlich an der Landsberger Straße schützt auch die Infrastruktur der Gemeinde vor Überlastung und unsere Ressourcen. Jeder zusätzliche Einwohner verbraucht zusätzlich Wasser. Da ein Erfolg der Klimaschutzbemühungen inBezug auf den inzwischen katastrophalen Landschaftswasserhaushalt in unserer Regionnicht mal ansatzweise erkennbar ist, muss hier über das Instrument der Bauleitplanungbegrenzend eingegriffen werden. Die Beschlüsse der Gemeindevertretung sind hierentscheidend für diese und die folgenden Generationen. Die Gemeindevertretung hat dieHauptverantwortung für den achtsamen Umgang mit unseren Ressourcen, einschließlich mit der Ressource Trinkwasser. Unser Wasser reicht nur für eine begrenzte Zahl an Einwohnern. Wir können nicht mehr Wasser entnehmen, als Niederschläge in den Wasserschutzgebieten versickern. Tun wir es doch, rauben wir unseren Kindern das Wasser.

Die angestrebte Geschosshöhe ist bei maximal zweireihiger Bebauung von der Landsberger Straße aus akzeptabel. In Häuser mit mehr als 5 m Höhe sollten mindestens 10 Bruthöhlen
für Mauersegler mit eingebaut werden. Bauliche Vogelabwehr insbesondere gegen Schwalben sollte im Bebauungsplan untersagt werden.

Entlang am Lakgraben sollten wenigstens 20 m frei von Bebauung sein. So wird der ungehinderte Abfluss überschüssigen Wassers in den Lakgraben gesichert und der Boden behält in diesem Bereich seine volle Wasserkapazität.

Der Neuntöter wurde in den Erfassungen mit seinem Brutrevier im Gehölzstreifen am Lakgraben nachgewiesen. Bei streng geschützten Arten wie dem Neuntöter sind die Nist- und Lebensstätten ganzjährig geschützt. Das trifft beim Neuntöter nicht auf die Nester zu, die nur einmal benutzt werden, aber auf seine Brutreviere. Im vorliegenden Vorentwurf ist dieser gesetzlich vorgeschriebene Schutz des Brutreviers des Neuntöters nicht erkennbar, in diesem Punkt muss der Bebauungsplan nachgebessert werden.

Im Vorentwurf ist kein Grünstreifen am Lakgraben erkennbar, die gesamte Fläche steht darin mit samt den Gehölzen nur rot als allgemeines Wohngebiet bis an den Lakgraben heran.Für die Tierwelt und damit auch für den Neuntöter ist der Pufferbereich entlang des Lakgrabens verloren. Im Lageplan ist der Bereich für die Wohngrundstücke vorgesehen, die demnach bis an den Graben heran reichen sollen. Die Fläche soll offenbar nur noch der Erholung der Menschen dienen und ist als Lebensraum für die bis jetzt dort lebenden Tiere nicht mehr vorgesehen.
Und falls ein 20 m breiter Bereich entlang des Lakgrabens öffentlich zugänglich werden soll, wird er ebenfalls von den Bewohnern zur Erholung so stark frequentiert, dass dort kaum
noch ein Tier seine Lebensstätte haben kann.

Das trifft auch auf die als Landschaftspark vorgesehene Fläche zu. Auch hier werden die bisher dort wild lebenden Tiere nicht mehr leben können.

Deshalb muss der Übergangsbereich zwischen Siedlung und Feld innerhalb des Plangebiets mindestens 190 m tief von der Südwestgrenze her nach Nordosten an die
geplante Bebauung reichen. Er muss unberührt bleiben und darf nicht durch Wege zerschnitten werden. Maximal ein Weg um dieses Gebiet herum ist möglich, damit Tierarten wie Neuntöter und Zauneidechsen auch nach der Bebauung dort weiter leben können. Die großen Fluchtdistanzen von Bluthänfling, Feldschwirl, Schafstelze und Heidelerche erfordern ein so großes von Menschen unberührtes Ausweichhabitat unmittelbarer neben den bisherigen Lebensräumen dieser Tiere, also innerhalb dieses Plangebiets.

Die Lebensstätten der oben aufgeführten Tiere müssen deshalb hinter der zweiten Baureihe als geschlossene Grünfläche erhalten werden, und zwar ab einer Linie 80 m südwestlich parallel der Landsberger Straße. In den bereits vorhandenen Brombeerhecken, Weißdorn und in den Wildrosen findet der Neuntöter Ausweichquartiere, die im Bebauungsplan als solche benannt und durch Grundbucheintrag gesichert werden müssen.

Der Lakgraben sollte in sein früheres Bett, erkennbar an den noch vorhandenen Flurstücken versetzt werden. Damit wird das Wasser länger in der Landschaft gehalten und drückt bei hohen Wasserständen langsamer in die Porthsche Siedlung.

Die Erschließung soll ausschließlich von der Landsberger Straße aus erfolgen. Die Landschaft zwischen Alter Gärtnerei und der Porthschen Siedlung soll auch langfristig durch keine Straße zerschnitten werden.

Pflanzbindungen

Gärten aus reinem Schotter oder Kieselsteinen sollten im Bebauungsplan verboten werden.
Einzige Ausnahme sind 50 cm breite Streifen um die Häuser zum Schutz der Fassade vor Schäden durch Spritzwasser.

Auf jedes Grundstück sollte mindestens ein Hochstamm-Baum gepflanzt werden.

Die Einfriedungen sollten statt aus Zäunen ausschließlich in Form von Sträuchern und Hecken durchgeführt werden. Damit werden natürliche Wege und Durchgänge für Igeln und andere Kleintiere erhalten. Zaunmauern und durchgehende Fundamente sollten im Bebauungsplan untersagt werden.

Das Straßenbegleitgrün sollte ausschließlich aus regionalem Saatgut angelegt werden, mit Pflanzenarten, die in Brandenburg heimisch sind.

Mit freundlichen Grüßen

 

Andreas Hinz
NABU Petershagen/Eggersdorf (Vorsitzender)